Der 28-jährige Christoph Pirnbacher aus St. Ulrich am Pillersee in Tirol wird in naher Zukunft den Milchviehbetrieb seiner Mutter übernehmen. Außerdem ist er Landesobmann der Landjugend Tirol. Im Interview mit der BauernZeitung erzählt er wie er diese wichtige Phase wahrnimmt.
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Christoph Pirnbacher wird dieses Jahr den Milchviehbetrieb seiner Mutter übernehmen.
BauernZeitung: Was hat Sie persönlich dazu bewegt, den elterlichen Hof zu übernehmen?
PIRNBACHER: Hier spielte das Jahr 2012 eine entscheidende Rolle. Am Ende der Pflichtschule stand ich vor der Entscheidung, ob ich meine Skikarriere vorantreibe oder den landwirtschaftlichen Weg gehe. Meine Eltern standen in dieser Zeit voll in der Planung für einen neuen Laufstall am Betrieb und banden mich schon aktiv mit ein. Ich glaube, die aufregende Planungsphase und die Gemeinschaft in den landwirtschaftlichen Vereinen haben mich dazu bewogen, meine Rennski an den Nagel zu hängen und mich vollkommen auf die Landwirtschaft zu konzentrieren, mit dem Ziel, in Zukunft den Betrieb zu übernehmen.
Wie würden Sie Ihren landwirtschaftlichen Werdegang beschreiben?
Ja, ich habe die LLA Weitau in St. Johann in Tirol mit dem landwirtschaftlichen Facharbeiter abgeschlossen. Danach auch den Fortfacharbeiter an der FSH Rotholz. Später führte mich der Weg wieder zurück nach Weitau, wo ich 2021 die landwirtschaftliche Meisterprüfung absolviert habe. In den vergangenen fünf Jahren kamen Angebote der Landjugend und des LFI hinzu, um mich in fachspezifischen Kursen von Rhetorik über Tiergesundheit, Grünlandexpertise bis hin zum besonders wichtigen Buchführungs- und Finanzwesen aus- und weiterzubilden.
Wie ist die Entscheidung zur Übernahme innerhalb der Familie abgelaufen?
Wir begannen schon sehr früh über das Thema zu sprechen. Ich habe zwei jüngere Brüder, aber in diesen Gesprächen wurde keiner zu irgendwas gedrängt, sondern jeder konnte offen sagen, wie er sich seine Zukunft vorstellt. Ich glaube, diese Gespräche haben sehr dazu beigetragen, dass jeder von uns seinen Weg gefunden hat. Zum anderen haben meine Eltern mit viel Herzblut, Arbeit und Energie in den Betrieb investiert und ihn modernisiert, sodass man als Übernehmer voll durchstarten kann. Das beeinflusst den Entscheidungsprozess sehr positiv.
Wir begannen schon sehr früh über das Thema zu sprechen. Ich habe zwei jüngere Brüder, aber in diesen Gesprächen wurde keiner zu irgendwas gedrängt, sondern jeder konnte offen sagen, wie er sich seine Zukunft vorstellt.
Christoph Pirnbacher
Welche Erwartungen hatten Sie und wie stimmen sie mit der Realität überein?
In den letzten zehn Jahren war ich schon in alle Entscheidungen am Betrieb eingebunden und Planungen und Entscheidungen rund um die Feldwirtschaft oder im Tierzuchtbereich waren meist meine Aufgabe, deshalb erwarte ich keine große Veränderung in der Arbeitsweise. Klar ist aber auch, dass die Verantwortung, die man im Zuge der Hofübernahme übernimmt, eine sehr große ist. Denn man übernimmt Verantwortung für Tier, Mensch und Umwelt sowie die Arbeit der Generationen in der Vergangenheit, die Arbeit in der Gegenwart und die Planung der Zukunft. Wenn das Realität wird, übertrifft das alle Erwartungen.
Was war die größte Herausforderung im Übernahmeprozess bisher?
Wir stehen ganz am Anfang vom Übernahmeprozess. Eine der größten Herausforderungen wird sein, meinen Brüdern, die ihre Zukunft in St. Ulrich am Pillersee sehen, dieses Anliegen in Form eines Bauplatzes auch zu ermöglichen. Die Tatsache, dass in Tirol ein strenges Raumordnungsgesetz herrscht, stellt hier natürlich eine Herausforderung dar. Weniger geht es darum, dass meine Brüder das unbedingt fordern, eher kommt der Wunsch von mir, ihnen das zu ermöglichen.
Haben Sie jemals an Ihrer Entscheidung gezweifelt?
Nein.
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Der Milchviehbetrieb befindet sich im Tiroler Pillerseetal auf 850 Meter Seehöhe.
Welche Beratungsangebote haben Sie als hilfreich empfunden?
Die LK Tirol oder die Sprechtage der SVS waren sehr hilfreich, um einen Überblick über die Versicherungsmöglichkeiten zu bekommen. Nicht zuletzt die Bildungsangebote und Kampagnen der Landjugend Österreich – man wird ermutigt, den Schritt der Hofübernahme zu gehen und hat die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, die vor denselben Herausforderungen stehen.
Planen Sie nach der Übernahme Veränderungen am Hof?
Wir sind ein Biobetrieb. Die Nachfrage nach Bioprodukten wird auf längere Sicht wohl stabil bleiben oder leicht ansteigen. Daher strebe ich die Fortführung und den Ausbau der Biomilchproduktion, im Speziellen der Almmilch, an. Natürlich spielen auch die Senkung der Betriebs- und Wartungskosten eine Rolle. Ein Ziel, das man mit dem Verwirklichen einer besseren Werkstattinfrastruktur am Betrieb deutlich senken könnte. Sollte es auch im Pillerseetal auf 850 Meter Seehöhe möglich werden, Mais anzubauen, will ich gerne ein „Mais“-Pionier in der Gegend sein.
Wie wichtig ist Ihnen Innovation am Betrieb?
Sehr wichtig. Vor vier Jahren haben wir uns entschieden, einen Melkroboter einzubauen, und die positiven Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe sind klar spürbar. Auch das Gesundheits- und Fruchtbarkeitsmonitoring hat sich dadurch um einiges verbessert, was zu einer Steigerung der Effizienz beiträgt. Der nächste Schritt in Sachen Technologie wird sich – sollte es kostentechnisch möglich sein – auf den Fütterungsbereich konzentrieren. Natürlich sind diese Technologien nur bei bestimmten Betriebsgrößen möglich, speziell in Sachen Brunsterkennung, Kälberwarner und Pansenüberwachung gibt es auch für kleinstrukturierte Betriebe Lösungen, die ich sehr empfehlen kann.
Mit klarer Kommunikation, Kompromissbereitschaft und Planung lässt sich vieles vereinbaren.
Christoph Pirnbacher
Wie erleben Sie den Alltag als Jungbauer in Bezug auf soziale Erwartungen, Gemeinschaft und Lebensqualität?
Ich mache überwiegend positive Erfahrungen. Viele Schwierigkeiten in der Landwirtschaft haben meiner Meinung nach damit zu tun, dass es oft an Selbstbewusstsein fehlt oder die Freude am Beruf zu selten gezeigt wird. Natürlich kann man nicht jede Erwartung der Gesellschaft erfüllen, doch mit klarer Kommunikation, Kompromissbereitschaft und vorausschauender Planung lässt sich vieles gut vereinbaren. Die Landwirtschaft bietet für mich eine außergewöhnlich hohe Lebensqualität, denn kaum ein anderer Beruf ermöglicht so viel Zeit im Freien und in der Natur. Gleichzeitig ist es wichtig, mit äußeren Einflüssen bewusst umzugehen, etwa mit negativen Schlagzeilen oder Kommentaren in sozialen Medien, die leicht ein falsches Bild vermitteln. Solche Botschaften sollte man nicht zu sehr an sich heranlassen. Auch in der Partnerschaft spielt das Gleichgewicht eine große Rolle: Wenn beide ihren eigenen Interessen nachgehen können, trägt das wesentlich dazu bei, die gemeinsamen Aufgaben am Hof mit Freude und Zufriedenheit zu bewältigen.
Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, die darüber nachdenken, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen?
„Trauts ench“. Die Welt braucht uns in der Vergangenheit, in der Gegenwart, aber noch viel mehr in der Zukunft. Und verschließt eure Augen nicht vor notwendigen Veränderungen. Startet früh genug mit den gemeinsamen Gesprächen auf Augenhöhe am Familientisch.
Betriebsspiegel
Der 28-jährige Christoph Pirnbacher übernimmt einen Milchviehbetrieb in Sankt Ulrich am Pillersee (Tirol). Am Hof werden 55 Kühe plus Nachzucht gehalten. Weitere Betriebszweige sind Forstwirtschaft und Urlaub am Bauernhof.
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