Weihnachten ist vielerorts ein Familienfest. Dafür werden oftmals lange Reisen auf sich genommen, um entweder zu den Eltern oder zu den Kindern zu fahren. Es wird gekocht, geschmückt und auch gesungen. Überall spiegeln sich die Traditionen wider oder werden adaptiert. Doch nicht alle, die es zwar gerne würden, können im familiären Kreis Weihnachten feiern. Es gibt Menschen, die haben keine Verwandten mehr oder befinden sich in Situationen, die es nicht möglich machen. Leid und Schmerz gehen mit dem Fest der Hoffnung oft einher.
Claudia Kepp und ihrer Familie aus Vorarlberg ist diese Sorge bewusst und deshalb organisieren sie seit 2019 einen Heiligen Abend für alle. „Eine meiner Töchter ist Polizistin und hatte über Weihnachten öfters Dienst und kam dann eines Abends zu mir und meinte, dass so viel Kummer in dieser Zeit herrscht, da muss man etwas dagegen tun - und so entstand die Idee“, erzählt die 59-jährige Bäuerin.
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Familie Kepp am Proben für ihren Auftritt auf der Bühne.
Mehr als 120 Personen sind dabei
Zunächst was das gemeinsame Fest nur im kleineren Rahmen gedacht, aber schon bald stellt sich heraus, dass das Interesse besonders groß ist. „Im ersten Jahr waren es bereits 75 Gäste und mittlerweile zählen wir 124. Mehr hätten auch gar nicht Platz“, so die Vorarlbergerin. Da die Nachfrage so groß ist, findet das Weihnachtsfest im Bregenzer Austriahaus statt. Gemeinsam mit vielen helfenden Händen wird hier Jahr für Jahr ein besinnlicher Abend gefeiert. „Wir möchten, dass sich jeder wohl fühlt, deshalb achten wir auf liebevolle Details, da darf weihnachtliche Deko nicht fehlen“. Sogar an Geschenke wird gedacht. Gemeinsam mit dem Verein Stunde des Herzens wird auf Basis von Spenden, für jeden eine kleine Aufmerksamkeit bereitgestellt.
In den vergangenen Jahren hat sich Claudia Kepp ein ganzes Kooperationsteam zusammengestellt. So werden auch Getränke und Speisen von diversen Gastrobetrieben und Händler kostenfrei zur Verfügung gestellt. „Es kamen sogar eigens Köche her, um ein frisches Abendessen zuzubereiten.“ Damit das Fest gut planbar ist, wird um eine Anmeldung gebeten, „aber für spontane, einzelne Zusagen, haben wir bisher immer noch einen Platz gefunden“, meint die Gemüsebäuerin.
Familie Kepp steht am Heiligen Abend selbst auf der Bühne und organisiert ein ganzes Rahmenprogramm. Es werden Weihnachtslieder gesunden, Geschichten vorgelesen und gemeinsame Spiele gespielt. „Wir sind sehr musikalisch und sind früher als Familienband aufgetreten, deshalb bereitet uns der Auftritt zu Weihnachten sehr viel Freude“. Das besondere an diesem Fest ist für die Organisatorin die „glückliche Fügung“, denn es kam hin und wieder vor, dass kurzfristig jemand ausfiel. „Ich weiß nicht wie, aber alles passiert mit so viel Glück. Wenn ein Helfer unerwartet erkrankt, dann meldet sich irgendwo her eine andere Person“.
Ein weiterer Vorteil ist auch die Bekanntheit von Claudia Kepp. Mit ihrer eigenen Marke „Pfändergold“ hat sich die 59-jährige in Vorarlberg in den vergangenen 30 Jahren einen Namen gemacht. Sie produziert und vermarktet Marmeladen, Aufstriche, Saucen und Eingelegtes vom eigenen Obst und Gemüse. Mittlerweile ist sie einen Schnitt zurückgetreten und stellt nicht mehr in großen Mengen her, wie früher, sagt Kepp.
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Familie Kepp ist es ein Anliegen, dass der Raum schon geschmückt ist.
Neue Freundschaften sind entstanden
Die Gäste kommen alle aus unterschiedlichen Gründen. Viele, weil sie alleine sind, aber auch viele, weil sich die Lebensumstände geändert haben. „Einmal war eine Familie dabei, wo die Eltern gerade in Trennung leben und nicht entscheiden wollten, bei wem das Kind Weihnachten feiern soll, deshalb sind sie gemeinsam zu uns gekommen,“ erzählt Claudia Kepp. Harmonie ist beim Fest großgeschrieben, denn alle sollen sich wohl fühlen. „Um so mehr freut es mich auch, wenn ich sehe, dass neue Freundschaften entstanden sind“. Beispielsweise haben sich alleinstehende Witwen am Weihnachtsfest kennengelernt und treffen sich nun regelmäßig.
Zeit für die Familie bleibt dann am eigentlichen Weihnachtstag, dem 25. Dezember. Dort feiern die Kepps unter sich. „Traurig macht mich schon, dass es so viele Menschen gibt, die alleine sind“, erzählt Kepp. Aus diesem Grund ist „Dankbarkeit“ bei ihr großgeschrieben.
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