Weihnachtskekse als zweites Standbein

Kekse backen im Advent gehört bei vielen Familien zur alljährlichen Tradition. Während es für die meisten ein Hobby darstellt, ist es für andere eine lukrative Einnahmequelle.

Keksteller

Copyright © Familie Eckmayr

Am Linerhof im oberösterreichischen Neukirchen bei Lambach geht es in der Adventzeit alles andere als ruhig zu. Mehr als 20 unterschiedliche Kekssorten werden im November und Dezember gebacken und verkauft. Der Hof von Familie Eckmayr ist eigentlich ein klassischer Ackerbau- und Schweinemastbetrieb.

Doch vor 30 Jahren entstand die Idee für einen weihnachtlichen Keksverkauf. „Aufgrund der wirtschaftlichen Situation sind wir auf den Zuverdienst angewiesen“, erklärt Betriebsleiter Bert Eckmayr. Der Vorteil unseres Angebots ist, dass einige Zutaten direkt vom Hof stammen, wie etwa diverse Marmeladensorten, Nüsse oder Weizenmehl. Butter, Eier oder Zucker bezieht die Familie aus der Region. „Unsere Kunden wissen es sehr zu schätzen, dass jedes Stück Handarbeit ist.“

Vom Ofen in der Küche zur eigenen Backstube

Zu Beginn wurde in kleineren Mengen in der Küche gebacken. Verkauft werden die Kekse damals wie heute unter anderem am Wochenmarkt in Vöcklabruck. Eckmayrs Eltern, die mit dem Keksverkauf begonnen haben, erinnern sich noch gut an die ersten Marktbesuche: „Wir hatten damals noch keinen fixen Standplatz und außerdem waren wir noch nicht bekannt.“ Damals gehörte die Familie aber noch zu den einzigen, die Weihnachtsgebäck verkauft haben. Inzwischen ist die Konkurrenz gewachsen. Dennoch ist die Nachfrage nach Eckmayrs Keksen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. „Einige Kunden fragen bereits im September, wann es wieder Kekse gibt“, erzählt Bert Eckmayr. Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, investierten die Oberösterreicher in eine eigene Backstube. Ausgestattet wurde diese mit einer speziellen Teigausrollmaschine, einer Teigknetmaschine und einem größeren Backofen. Auch die Verkaufsstandorte haben sich weiterentwickelt. Sie besuchen nicht nur den Wochenmarkt in Vöcklabruck, sondern verkaufen auch am Linzer Südbahnhof und ab Hof. Wie viele Kekse jährlich gebacken werden, bleibt Betriebsgeheimnis.

Intensive Arbeitszeiten

Von adventlicher Ruhe kann am Linerhof deshalb kaum die Rede sein. Neben dem Keksebacken muss naturgemäß täglich auch die Stallarbeit gemacht werden. „Die wird in dieser Zeit oft erst am Abend erledigt“, sagt der Bauer. Allerdings nimmt die Familie den Stress gerne in Kauf, denn ohne den Gebäckverkauf würde sich die Landwirtschaft laut Eckmayr nicht mehr rentieren. Außerdem ist die ganze Familie plus zusätzliches Personal involviert.

Eckmayers sind nicht die Einzigen

Die oberösterreichische Familie ist nicht der einzige landwirtschaftliche Betrieb, der sich die Keksproduktion als zweites Standbein aufgebaut hat. Eine konkrete Zahl, wie viele es in ganz Österreich sind, gibt es allerdings nicht. Die allermeisten verkaufen ihr Weihnachtsgebäck über Direktvermarktung. Damit gehören sie zu den insgesamt rund 30.000 landwirtschaftlichen Betrieben, die diese Diversifizierungsform betreiben. Ebenso spielt Regionalität eine Rolle. Konsumentinnen und Konsumenten achten immer mehr darauf und greifen dafür auch etwas tiefer in die Tasche. „Direktvermarktung ist nicht nur ein Trend, sondern ein wichtiges Standbein für Österreichs Landwirtschaft. 28 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe vermarkten einen Teil ihrer Produkte selbst und steigern dadurch die Wertschöpfung am Hof“, betont Martina Ortner, Geschäftsführerin des Verbandes bäuerlicher Direktvermarkter Österreich – Gutes vom Bauernhof.

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Familie Eckmayr hat sich schon vor 30 Jahren auf die weihnachtliche Keksproduktion am Hof spezialisiert.

Weihnachten als Umsatzmotor

Die Adventzeit ist eine der umsatzstärksten Phasen im Jahr: Für 2024 wurden die gesamten Weihnachtsausgaben in Österreich auf mehr als zwei Milliarden Euro hochgerechnet, wovon ein beträchtlicher Teil in Lebensmittel und Genussmittel floss. Von dieser Kaufbereitschaft profitieren bäuerliche Direktvermarkter, die ihre Kekse, Stollen, Kletzenbrote oder Lebkuchen ab Hof, in Bauernläden, auf Märkten oder online anbieten. Besonders gefragt sind regionale Spezialitäten und traditionelle Rezepte, die es so nicht im Supermarktregal zu finden gibt. Vor allem Betriebe mit eigenem Hofladen merken das steigende Interesse der Kundinnen und Kunden – überhaupt als Geschenkartikel.

Illegaler Keksmarkt boomt

Ein Verkauf ohne Gewerbeschein ist hierzulande übrigens verboten, dennoch sind etliche Onlineplattformen voll mit Keksangeboten. Wer von den Behörden aufgespürt wird, kann bis zu 3.600 Euro Strafe ausfassen. Hinzu können später noch weitere saftige Beträge kommen, sollte sich auch noch das Finanzamt melden. Grundsätzlich gilt: Wer Kekse als Nebenerwerb vermarktet, bewegt sich in der Direktvermarktung und muss lebensmittelrechtliche und gewerberechtliche Vorgaben beachten. Dazu zählen unter anderem Hygienevorschriften, Kennzeichnungspflichten (Zutaten, Allergene, Haltbarkeit) und je nach Umfang möglicherweise gewerberechtliche Meldungen.

Auch bei Familie Eckmayr werden beispielsweise regelmäßig externe Kontrollen von der Lebensmittelaufsicht durchgeführt. Wer sich also daran hält, kann unbeschwert Kekse im Nebenerwerb verkaufen.