Weihnachtsessen

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Wie man Lebensmittelverschwendung sinnvoll begegnen kann

Weihnachten steht für Genuss und leider allzu oft auch für Essensreste, die nach den Feiertagen im Müll verschwinden. Entscheidend ist, was danach passiert. Österreichs Bäuerinnen zeigen, wie aus Übriggebliebenem neue Gerichte entstehen.

Nach den Weihnachtsfeiertagen stapeln sich in vielen Küchen Bratenreste, Beilagen, Brot, Gemüse oder Keksdosen. Österreichweit landen jedes Jahr über die Feiertage mehr als eine halbe Million Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll. Das entspricht laut einer Auswertung der Boku University einem durchschnittlichen Wert von bis zu 800 Euro pro Haushalt. Dabei sind es oft genau jene Speisen, die mit viel Arbeit, hochwertigen Zutaten und Wertschätzung gekocht wurden. Gerade in einer Zeit, in der ein wachsender Anteil der Bevölkerung von Ernährungsarmut betroffen ist, zeigt dies, wie viel Potenzial zur Entlastung von Ressourcen und zur Unterstützung Bedürftiger ungenutzt bleibt. Und das obwohl heimische Bäuerinnen und Bauern ausreichend produzieren würden. Am häufigsten weggeworfen werden Brot und Gebäck (28 %), Obst und Gemüse (27 %), Milchprodukte und Eier (rund 12 %), Fleisch und Fisch (11 %). Diese vier Produktgruppen machen zusammen 78 Prozent der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in den Privathaushalten aus. Gerade in der Landwirtschaft ist das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln tief verankert. Umso wichtiger ist es, auch nach dem Fest konsequent weiterzudenken und Reste nicht als Problem, sondern als Ausgangspunkt für neue Gerichte zu sehen. Wer aber erst gar keine Reste ansammeln möchte, kann bereits mit gezieltem Einkauf vorsorgen. Ein Einkaufszettel, das Überdenken von Großpackungen und korrektes Verwahren verlängern die Haltbarkeit entscheidend.

Ideen aus der bäuerlichen Küche

Wie vielfältig und schmackhaft Resteküche sein kann, zeigen die vielen Rezepte und Anregungen der österreichischen Seminarbäuerinnen. „Gerade zu den Feiertagen bleiben meist mehr Reste übrig, als uns lieb ist. Bevor genießbare Lebensmittel im Abfall landen, wäre es gut, sie in neue Speisen zu verwandeln“, betont Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger. Mit etwas Kreativität lasse sich nahezu alles weiterverwenden – ganz nach dem Motto: Beim Kochen kreativ sein, beim Backen präzise arbeiten. Die Bandbreite bäuerlicher Ideen für Lebensmittelverwertung ist groß: Bratenreste werden zu Knödelfüllungen, Fleischstrudeln, Krapfen oder klassischer Hausmannskost wie Grenadiermarsch.

Gekochtes Rindfleisch findet als Rindfleischsalat, Saures Rindfleisch oder Sulz eine zweite Bestimmung. Gemüse eignet sich für Strudel, Laibchen, Aufläufe oder Palatschinkenfüllungen. Selbst Süßes bleibt nicht außen vor – Weihnachtskekse und Lebkuchen werden zu Parfaits, Aufläufen oder kreativen Desserts verarbeitet.

Ideen aus der bäuerlichen KücheEinige Rezeptinspirationen finden Sie hier:

Richtig lagern, länger nutzen

Neben Rezeptideen spielt auch der Umgang mit Vorräten nach den Feiertagen eine zentrale Rolle. „Viele Produkte landen im Müll, weil sie falsch gelagert werden“, erklärt Neumann-Hartberger. Suppen lassen sich etwa gut portionsweise einfrieren, Weihnachtskekse bleiben tiefgekühlt wochenlang frisch und können nach Bedarf verbraucht werden. Auch das bewusste Überprüfen von Mindesthaltbarkeitsdaten hilft, unnötige Entsorgung zu vermeiden. Gerade bäuerliche Haushalte verfügen hier über viel Erfahrung; vom Einfrieren über das Einkochen bis hin zur kreativen Weiterverarbeitung. Eine weitere Option ist auch das Spenden von nicht gebrauchten Lebensmitteln. Organisationen wie die Tafel Österreich oder lokale Initiativen holen oder sammeln genießbare Lebensmittel ein und geben sie an armutsbetroffene Menschen weiter. So können Bedürftige unterstützt und überschüssige Mengen vor der Tonne gerettet werden.

Wer bewusst kocht, clever lagert und vorhandene Zutaten nutzt, schützt Klima und Ressourcen und entdeckt ganz nebenbei vielleicht sogar neue Lieblingsrezepte.

Irene Neumann-Hartberger

Resteküche als Haltung

Resteküche ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck von Wertschätzung, Fachwissen und Verantwortung. Sie schont Ressourcen und macht sichtbar, wie viel Potenzial im bewussten Umgang mit Lebensmitteln steckt. Oder wie es die Bundesbäuerin zusammenfasst: „Wer bewusst kocht, clever lagert und vorhandene Zutaten nutzt, schützt Klima und Ressourcen und entdeckt ganz nebenbei vielleicht sogar neue Lieblingsrezepte.“

Rezeptidee: Krautfleischstrudel

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Zutaten:

1 Stk. Strudelteig

150 g Fleischreste, gebraten

100 g gekochtes Kraut

1 Stk. Karotte oder Paprika

1 Zwiebel

Salz, Pfeffer, Kümmel

Butter

Zubereitung:

Das gebratene und kleingeschnittene Fleisch mit dem gekochten, aber ausgekühlten Kraut vermischen. Die Zwiebel und den Paprika oder die Karotte in Würfel schneiden, etwas anbraten, auskühlen lassen und dazugeben. Mit Salz, Pfeffer und Kümmel abschmecken und in den Strudelteig eindrehen. Mit Butter bestreichen (es geht eventuell auch ein rohes Eigelb) und mit Kümmel bestreuen. Danach auf 180 °C für ca. 30 Minuten backen.