Zeit zu reden

Porträt Clemens Wieltsch

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Dass sich just kurz vor Weihnachten Bauern aus allen Ländern der Europäischen Union in Brüssel versammelten, um gemeinsam gegen einen Bruch mit der Gemeinsamen Agrarpolitik, allzu freigiebige Freihandelsabkommen und überbordende Bürokratie zu protestieren, darf zu Recht als historisches Ereignis bezeichnet werden. Die Suppe hat sich die EU-Kommission dabei wohl selbst eingebrockt. Insbesondere das Auflassen des eigenen GAP-Budgets – wie es derzeit für die kommende Periode ab 2028 verhandelt wird – hat schließlich kein einziger Mitgliedstaat und mit Sicherheit kein Bauer innerhalb der EU jemals gefordert.

Der länderübergreifende Protest mit Vertretern von Rumänien bis Irland und Spanien bis Frankreich zeigt aber auch eines: Europas Bauern denken europäisch und erwarten sich demgemäß auch gemeinsame, EU-weit einheitliche Lösungen ihrer Probleme. Dass diese am Verhandlungstisch gefunden werden müssen, leuchtet gelernten Österreichern ein. Dort wird sich weisen, ob die Kommission tatsächlich hinter den Bauern steht, wie ihre Präsidentin Ursula von der Leyen den Demonstranten beteuerte.

Das Thema drängt sich auch für die zu Weihnachten und dem Jahreswechsel obligaten Wünsche auf: Für die Bauern wäre wünschenswert, dass die Bilder von mannstarken Protesten in den Köpfen der Brüsseler Entscheidungsträger auch im kommenden Jahr noch lange nachwirken.