Schützen

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Keine Frauen als Schützen

Mit überwiegender Mehrheit haben sich die Mitglieder des Bundes der Tiroler Schützenkompanie dagegen ausgesprochen, künftig auch Frauen am Gewehr zuzulassen.

Die beiden vorliegenden Anträge zweier Mitgliedskompanien, Frauen künftig als Gewehrschützinnen zuzulassen, wurden sorgfältig aufgenommen und in einem breiten Dialog gewissenhaft behandelt. Nachdem die erste Phase des Nachdenkprozesses „Frauen als Gewehrschützinnen?“ mit den Viertel-Bildungstagen abgeschlossen war, wurden die Ergebnisse in Form von Erkenntnissen ausgearbeitet. Diese wurden in insgesamt neun Thesen zusammengefasst, die im weiteren Entscheidungsfindungsprozess als Grundlage für einen basisdemokratischen Grundsatzbeschluss der stimmberechtigten Mitgliedskompanien dienten.

Ohne gemeinsamen Kompass verliert selbst die stärkste Gemeinschaft die Richtung.

Thomas Sauerer

Thomas Sauerer

Landeskommandant

 „Grundsätzlich ist hervorzuheben: In der Diskussion um Frauen im Tiroler Schützenwesen geht es nicht um Fragen der Gleichberechtigung. Vereinsrechtlich sind unsere weiblichen Mitglieder vollwertige Mitglieder und können sämtliche Funktionen bis hin zur Obfrau bekleiden. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage des Erscheinungsbildes. Die Diskussion über Rollen und Ämter im Tiroler Schützenwesen ist somit keine Frage von Wert oder Fähigkeit, sondern eine Frage von Aufgaben, Formen und Sinnbildern", so Landeskommandant Major Thomas Saurer.

Grundsatzbeschluss

Jede Kompanie ist zwar rechtlich eigenständig (Verein mit eigenen Statuten), aber sie ist Teil des Bundes der Tiroler Schützenkompanien (BTSK). Der Bund bildet den gemeinsamen Werte- und Traditionsrahmen, auf den sich alle Kompanien freiwillig verpflichten. Ein Grundsatzbeschluss legt also nicht rechtlich fest, was jede Kompanie muss, sondern was das Tiroler Schützenwesen als Ganzes vertritt und lebt. Wenn jede Kompanie ihre Rollen und Symbole eigenmächtig verändern könnte, würde langfristig die gewachsene Form des Tiroler Schützenwesens verschwimmen. Der Grundsatzbeschluss ist ein Schutzinstrument: Er bewahrt den Kern der Tradition, während innerhalb der Kompanien weiterhin individuelle Ausgestaltung (regionale Besonderheiten), aber auf Basis der „Richtlinien“, des gemeinsam festgelegten „Rahmens“, möglich bleibt.

Dazu Saurer: „Ein Grundsatzbeschluss dient nicht nur der internen Regelung. Dieser Grundsatzbeschluss ist auch Orientierung. Ohne gemeinsamen Kompass verliert selbst die stärkste Gemeinschaft die Richtung. Der Grundsatzbeschluss hält zusammen, was über Jahrhunderte gewachsen ist.“

Basisdemokratie

Die Mitglieder des Bundes der Tiroler Schützenkompanien wurden mittels Abstimmung zur Fassung eines Grundsatzbeschlusses befragt. Diese Wahl fand von 01.12.2025 bis 15.01.2026 als Briefwahl statt.

Das Ergebnis fiel eindeutig aus: 86,96 % der Stimmberechtigten haben für die Beibehaltung des Ist-Zustandes gestimmt - für Landeskommandant Sauerer ein klarer demokratischer Auftrag, den es zu respektieren gelte.

Diese gemeinsame, verbindliche Linie gilt ab sofort als Grundsatzbeschluss des Bundes der Tiroler Schützenkompanien und ist von allen Mitgliedskompanien einzuhalten.

Antrag im Landtag

Die Grünen reagierten im Tiroler Landtag mit einem dringlichen Antrag: Schützen sollen künftig von landesüblichen Empfängen abkommandiert werden. Solange Frauen nicht gleichberechtigt zu den Männern sind, sei nicht einzusehen, dass die Schützen bei offiziellen Anlässen der Landespolitik aufmarschieren, so die Argumentation.

Landeskommandant Saurer sieht dieses Vorgehen kritisch: „Was wir mit aller Klarheit zurückweisen, ist der Versuch, unsere gewachsenen Traditionen parteipolitisch zu instrumentalisieren oder das Schützenwesen als Druckmittel in tagespolitischen Auseinandersetzungen zu missbrauchen! Der Bund der Tiroler Schützenkompanien ist ein überparteilicher Traditions- und Werteverband. Politische Parteien haben sich aus Verbandsangelegenheiten herauszuhalten.“