Speicherbecken

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Ein Speicherteich, der neue Möglichkeiten schafft

Sonderkulturen erfordern spezielle Anbaumaßnahmen. Eine davon ist die Sicherstellung einer ausreichenden Bewässerung. Familie Ölzant im Waldviertel baute dafür einen Speicherteich. Mit dem Projekt zählten sie zu den Gewinnern beim Innovationspreis der Jungen Landwirtschaft.

Erdbeeren, Brokkoli, Spargeln oder Wassermelonen sind eigentlich kein typisches Obst und Gemüse im Waldviertel. Doch hier auf dem Bio-Betrieb „Wald4tler Natur Gut“, nahe an der tschechischen Grenze, ist der Anbau möglich und zwar durch das milde Klima und durch einen eigenen Speicherteich. Matthias Ölzant, der den Betrieb in ein paar Jahren von seinem Vater übernehmen wird, hatte nach seinem Schulabschluss die Idee dafür. Denn für ihn war damals schon klar, dass er sich auf Sonderkulturen spezialisieren möchte. Damit das im nördlichen Waldviertel möglich ist, braucht es spezielle Maßnahmen, wie beispielsweise eine ausgiebige Bewässerung. „In dieser Gegend haben wir das Problem, dass der Boden wie ein Sieb funktioniert. Er nimmt das Wasser zwar auf, kann es aber nicht speichern“, erklärt der 27-jährige, „deshalb kam die Idee mit dem Speicherbecken, denn bei Starkregen fällt in kürzester Zeit, genügend Wasser zu Boden“. Auch wenn die Idee schnell geboren war, dauerte die Umsetzung Jahre. Neben seinen Eltern unterstützte ihn vor allem seine Freundin Kerstin Müller, die ebenfalls am Betrieb mitarbeitet. Vergangenen Sommer war das erste Jahr, wo sie das Becken voll umfassend benutzen konnten.

Ein langer Weg bis zum Ziel

Mehr als drei Jahre dauerte es bis die Ölzants die Bewilligung für den Bau bekommen haben. „Man glaubt gar nicht, wie viele Abteilungen hier mitspielen, vom Naturschutz zur Rode-Bewilligung, bis hin zum Wasserrecht“, erzählt Matthias Ölzant. Erst sobald alle Institutionen einen Lokalaugenschein vorgenommen haben, wurde „den Zuständigen klar, dass wir das nicht zum Spaß machen wollen, sondern dass das Becken die Grundlage für unsere Wirtschaftlichkeit ist“. Zuvor war auf dem Platz eine Geländemulde, wo laut dem Bio-Bauern keine Land- und Forstwirtschaft möglich war. Nach der Bewilligung verliefen die Baggerarbeiten problemlos und waren nach etwa zwei Monaten abgeschlossen.

Die zehn Hektar große Ackerfläche um den Speicherteich herum, wurde eigens drainagiert damit der abgesickerte Niederschlag in das Becken geleitet wird. Das Grundwasser bleibt somit unberührt. Wenn das Speicherbecken bis zum Beginn der Hochsaison gut voll ist, reicht es bis zum Ende der Anbausaison. Laut Matthias haben etwa sieben Millionen Liter Wasser Platz.

„In dieser Gegend haben wir das Problem, dass der Boden wie ein Sieb funktioniert. Er nimmt das Wasser zwar auf, kann es aber nicht speichern, deshalb kam die Idee mit dem Speicherbecken.“

Matthias Ölzant

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Matthias Ölzant und Kerstin Müller vor dem Speicherbecken

Das Ziel von Ölzant und Müller war auch, den Teich ohne fossile Rohstoffe in Betrieb zu nehmen. „Das Becken ist so konstruiert, dass es keine wasserdichte Abdicht-Folie braucht und die Beregnung wird mittels Elektropumpen (benötigt etwa 26 Kilowatt) angetrieben“.  Dafür sind sie am normalen Stromnetz angeschlossen. Eine Photovoltaikanlage gibt es zwar am Betrieb, allerdings wird meist über Nacht oder frühmorgens bewässert, deshalb kann der Storm nur selten über die PV-Anlage verwendet werden. „Künftig möchten wir alles über Sonnenstrom und mit einem größeren Stromspeicher betreiben, aber momentan ist es noch sehr kompliziert“. Aktuell können 60.000 Liter Wasser pro Stunde durch die Pumpe verteilt werden. Über eine mobile Großregenanlage wird das Wasser über die Fläche verteilt. Investiert wurden in das gesamte Projekt mehr als 200.000 Euro.

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60.000 Liter Wasser können pro Stunde durch die Pumpe verteilt werden.

Angebot und Artenvielfalt ist gewachsen

Nur durch die Umsetzung des Speicherbeckens ist es nun möglich Sonderkulturen, wie Erdbeeren, Spargel, Karfiol oder Brokkoli auf den rauen Böden anzubauen. Vermarktet wird das Obst und Gemüse vielfach über den Großhandel, mit der Ausnahme auf marktführende Supermarktketten. Einiges wird aber auch direktvermarktet, wie zum Beispiel im eigenen Selbstbedienungsladen direkt am Hof.  Ein großer Vorteil ist nun auch die Ernährungssicherheit, die den Konsumentinnen und Konsumenten gewährleistet werden kann, erklären die Jungbauern. „Wir bauen an und können nun bewässern und mit großer Wahrscheinlichkeit auch ernten, vorher war es eher wie ein Lotteriespiel“. Durch den Speicherteich konnten die Bio-Bauern aber nicht nur ihr Gemüse- und Obstsortiment erweitern, sondern finden eine größere Artenvielfalt auf den Feldern. „Libellen, Schmetterlinge, oder seltene Schwalbenarten, die wir vor dem Bau des Teichs noch nie gesehen haben, fliegen nun herum“, freut sich das Paar. 

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Die Produkte werden vielfach im Hofladen verkauft.

Sie haben ihre Nische gefunden

Seit einiger Zeit sind die beiden auch Farmfluencer tätig und versuchen über Social Media ihren Followern die Kreislaufwirtschaft auf dem Betrieb zu erklären. Außerdem plant die Familie gerade ihr zweites Speicherbecken, welches bereits im kommenden Frühling finalisiert werden soll. „In der Nähe gibt es viele Rinderhalter und Getreideanbau-Betriebe, die typisch für diese Gegend sind. Für uns wäre es aber nichts gewesen“, erklären Kerstin und Matthias. Sie sind froh, ihren eigenen Weg mit den Sonderkulturen gefunden zu haben.

Mit dem Projekt „Speicherbecken“ bewarben sich Matthias Ölzant und Kerstin Müller beim Innovationspreis der Jungen Landwirtschaft. Sie wurden dafür mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Betriebsspiegel:

Biohof: Wald4tler Natur Gut

in Thaures, Bezirk Gmünd

Betriebsgröße etwa 100 Hektar

80 Zuchtschweine + Nachwuchs bis zu 30 kg

Neben Familienmitglieder 2 Fixangestellte und 12 Saisonarbeiter

Direktvermarktung, auch über SB-Laden