Lisa und Stefan Niedermair-Auer

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Der Toblerhof: Mit Milch und Mut zum Erfolg

Lisa und Stefan Niedermair-Auer zeigen transparent, was moderne Milchviehhaltung in Österreich ausmacht. Für ihren neu errichteten Stall samt Hofmolkerei und Schaubetrieb wurden sie im Vorjahr ausgezeichnet.

Mitten in Oberösterreichs Schweinemastgebiet liegt der Toblerhof in Lambach im Bezirk Wels-Land. Auf dem Vierkanthof hat Milchverarbeitung zwar eine lange Geschichte, dennoch war es eine große Entscheidung, die Lisa und Stefan Niedermair-­Auer vor einigen Jahren zu fällen hatten: Wie sollte es weitergehen? „Eines war rasch klar: Wenn wir weitermachen, dann müssen wir auch ordentlich investieren“, sagt die heute 36-jährige Bäuerin und dreifache Mutter. Die Richtung sei bereits klar gewesen, denn die Schwiegereltern Maria (70) und Ferdinand (71) hatten schon vor 30 Jahren mit Direktvermarktung begonnen und eine kleine Hofmolkerei errichtet, zudem waren sie als Schulmilchproduzenten aktiv. Die Tatsache, als Milchviehbetrieb in einem von der Schweinemast dominierten Bezirk ein Alleinstellungsmerkmal zu haben, habe man als Vorteil betrachtet. „Wir haben dann unseren ganzen Mut zusammengefasst und uns drübergetraut“, erzählt Niedermair-Auer. Von 2018 bis 2021 wurde intensiv geplant, ehe Hofmolkerei, Hofladen und Tierwohl-Laufstall gebaut wurden.

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Lisa Niedermair-Auer ist Transparenz in der Landwirtschaft ein Anliegen.

Alles neu ab 2022

2022 war nicht nur das Jahr, in dem alles bezogen werden konnte, sondern auch der Start der Eisproduktion am Toblerhof: „Wir verwenden keine Fertigmischungen“, betont Niedermair-Auer. Angeboten wird die kalte Köstlichkeit nun jedes Jahr ab März in kleinen Bechern – und in 16 verschiedenen Sorten. Für Firmen gibt es die Option, eine ganze Truhe davon geliefert zu bekommen und den Mitarbeitern einen „Eis-Tag“ zu bescheren. Der etwa 80 Quadratmeter große Hofladen ist bestückt mit einer breiten Produktpalette von etwa 40 regionalen Direktvermarktern. Freitags gibt es außerdem frisches Brot, das in der hauseigenen kleinen Backstube gebacken wird, sowie frischen Fisch, frische Mehlspeisen und im 14-Tage-Rhythmus auch frisches Hühnerfleisch.

Dass der Toblerhof ein stimmiges und modernes Erscheinungsbild abgibt, kommt nicht von ungefähr: „Wir haben überall Profis ans Werk gelassen, und das war eine gute Entscheidung“, berichtet Niedermair-Auer. Von der ansprechenden Architektur am Betrieb über Website und Marketingauftritt bis hin zum designten Eisbecher sei gemeinsam mit Experten viel Herzblut und Hirnschmalz bis zum für alle passenden Ergebnis aufgewendet worden.

Wir erklären gerne jedem, wie ­Landwirtschaft funktioniert, wir ­beschönigen nichts.

Lisa Niedermair-Auer

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Stefan Niedermair-Auer gibt Einblick in das umfassende Eis-Sortiment.

Transparenz und offene Türen

Hauptstandbein am Betrieb sei jedoch nach wie vor die Schulmilch-Produktion. 25 Schulen und Kindergärten mit etwa 1.500 Kindern werden vom Toblerhof beliefert, dazu 15 Großküchen. Als Schulmilchbauern begrüßen sie pro Jahr auch etwa 1.000 Kinder persönlich am Hof. Die Stalltüren werden aber nicht nur für Schulklassen geöffnet: Auch der Andrang von Busgruppen sei stärker als jemals erwartet. Für diese gibt es eine Führung durch die Produktion und den Stall samt Käseverkostung und Kuchen oder Eis, berichtet Lisa Niedermair-Auer.

Der Bauernfamilie, die mittlerweile auch acht Angestellte beschäftigt, ist es ein Anliegen, zu zeigen, was moderne Milchviehhaltung in Österreich bedeutet. Sie ist überzeugt davon, dass durch Transparenz und Authentizität auch das Image der Landwirtschaft ein positiveres werde. Der Toblerhof profitiere jedenfalls von seiner Nähe zum Konsumenten, das Angebot werde sehr gut angenommen und durch treue Kunden belohnt.

Ein mulmiges Gefühl beschleicht die Betriebsführer dennoch hin und wieder – ausgelöst durch die Kosten, die es laufend zu stemmen gibt. Gestiegene Zinsen, hohe Betriebskosten und die deutlich zu spürenden Marktverwerfungen seit Beginn des Ukraine-Krieges hätten vieles verschärft, betont die 36-jährige Bäuerin. Andererseits habe man nicht erwartet, einmal zum Ausflugsziel für Familien zu werden. Wer auf den Hof kommt, darf auch in den Stall gehen und sich selbst ein Bild machen. Aber nicht nur das: „Wir erklären gerne jedem, wie Landwirtschaft funktioniert, wir beschönigen nichts. Schließlich sind wir kein Gut Aiderbichl, sondern ein Betrieb, der wirtschaftet“, bringt es die Bäuerin auf den Punkt.

„Auf jeden Fall geben wir täglich unser Bestes und hoffen, dass alles weiterhin so gut funktioniert“, meint die Oberösterreicherin. Dieses Engagement wurde im Vorjahr auch entsprechend gewürdigt. Der Familie wurde der erste Platz beim OÖ Agrarpreis in der Kategorie „Einkommen“ verliehen.

Rund um den Vierkanter des Toblerhofs wurden Verarbeitungs- und Vermarktungsräume sowie ein großzügiger Laufstall errichtet. So avancierte man zum Ausflugsziel.

Luftaufnahme vom Toblerhof

16 verschiedene Eissorten werden am Hof angeboten.

Eissortiment

Der vor drei Jahren bezogene Kaltstall spielt beim Tierwohl alle Stücke.

Im Milchviehstall

Die Hofmolkerei wurde vor etwa fünf Jahren umgebaut.

In der Hofmolkerei

Der Toblerhof auf einen Blick

Ort: 4650 Lambach, Bezirk Wels-Land

Größe (inklusive Pachtflächen): 30 ha Grünland , 50 ha Ackerfläche

Betriebszweig: Tierwohl-Milchviehstall mit ca. 60 Milchkühen plus Nachzucht, Schulmilchproduzent seit 27 Jahren, Hofladen und Hofmolkerei, Betriebsbesichtigungen für Busgruppen und Schulklassen

Besonderheiten:

  • Offene Stalltüren, auch die Produktion ist einsehbar

  • Neuer Hofladen mit breitem Produktsortiment

  • Jung und modern, als Familienbetrieb greifbar

  • Direktvermarktung von Milchprodukten und Speiseeis

  • Schulmilchproduzent