Die Dauer-Debatte um Lebensmittelpreise dominierte den Fachtag Agrarpolitik der Wintertagung am Dienstag in Wien. Der Präsident des Ökosozialen Forums, Stephan Pernkopf, machte schon bei der Eröffnung seinen Standpunkt in der Sache klar: „Viele Dinge werden im Supermarkt immer teurer, während bei vielen Bäuerinnen und Bauern immer weniger ankommt.“ Er stellte im Hinblick auf fehlende Transparenz entlang der Wertschöpfungskette die Frage in den Raum: „Wer macht sich ein G’schäft im Geschäft?“.
Wer macht sich ein G’schäft im Geschäft?
Stephan Pernkopf
Präsident des Ökosozialen Forums
Auch Bayerns Staatsministerin für Landwirtschaft und Ernährung, Michaela Kaniber, eigens für die Tagung aus München angereist, betonte: „Billige Lebensmittel sind eine Illusion.“ Leistungen für Umwelt und Tierwohl und die generell hohe Qualität der bäuerlichen Erzeugnisse gäbe es nicht „zum Nulltarif“. Der CSU-Politikerin zufolge sei die Debatte in den vergangenen Jahren durch eine ausgeprägte „Geiz-ist-geil-Mentalität“ in völlig falschen Bahnen verlaufen. Jeder Agrarpolitiker, aber auch alle Bauern seien gefordert, durch authentische Berichte über die Urproduktion nach höchsten Standards zu informieren und so einen Gegenpol zu bilden, meinte Kaniber. Vor dem Hintergrund geopolitischer Turbulenzen brauche Europa Ernährungssouveränität genauso wie es Investitionen in Verteidigung brauche, erklärte sie.
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Kaniber ist überzeugt: „‚Geiz ist geil‘ war der falsche Weg.“
Das sieht auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig so. „Österreich ist kein Billigproduzent, sondern setzt auf Qualität. Hohe Standards dürfen unsere Wettbewerbsfähigkeit nicht schwächen, deswegen benötigen unsere Bäuerinnen und Bauern leistbare Betriebsmittel, Bürokratieabbau, wirksamen Pflanzenschutz und Unterstützung bei Investitionen.“ Die Amtskollegen beschworen entsprechend, in diesem Punkt weiter auf Allianzen zu setzen.
Landwirtschaft kein Preistreiber
Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr lieferte indes Einblicke in die ökonomischen Entwicklungen. Die Landwirtschaft treffe demnach weder an der Rezession noch an der Inflation Schuld, im Gegenteil: „In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Branche als stabilisierender Faktor erwiesen.“ Auch mit Mythen rund um die Teuerung im Supermarktregal räumte er auf: „Die Lebensmittelpreise sind in Österreich weniger stark gestiegen als in der gesamten Eurozone.“
Wenn Betriebe nicht mehr wirtschaftlich sind, gibt es nur eine Konsequenz: die Betriebsaufgabe.
Michaela Kaniber
Bayrische Staatsministerin für Landwirtschaft
Jüngste Preissteigerungen würden von Importwaren herrühren, etwa Kaffee, Tee oder Kakao. Aber: Auch der Lebensmittelindustrie gab der Wifo-Chef nach Durchsicht mehrerer Indizes nicht die Schuld an Steigerungen. Als Elefant im Raum blieb nach Felbermayrs Vortrag der Handel zurück. Eben diesen beziehungsweise den Einkauf an sich rückte Christoph Teller, Professor für Handel an der Johannes-Kepler-Universität Linz, in den Vordergrund.
Zwischen Anspruch und Kaufverhalten klafft eine Lücke“, betonte er und verwies auf eine an seinem Institut erarbeitete, repräsentative Studie. Demnach gibt beinahe die Hälfte der österreichischen Verbraucher an, zwar qualitativ hochwertige (Bio-)Produkte zu bevorzugen, tatsächlich im Supermarkt aber konventionelle Produkte zu kaufen. Ebenso viele treffen die Kaufentscheidung allein auf Basis des Produktpreises. Laut Teller sei das nicht zuletzt auf den nach wie vor steigenden Aktionsanteil im Lebensmitteleinzelhandel zurückzuführen. In der Diskussion erkannte er aber dennoch eine Chance: „Diese Einstellungs-Verhaltens-Lücke hat Potenzial, die Konsumenten von Qualität zu überzeugen“, erklärte er sinngemäß und forderte mehr Bildung im Umgang mit und Einkauf von Lebensmitteln.
Investieren als Um und Auf
Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig suchte in der anschließenden Podiumsdiskussion den Ausgleich. Lebensmittel müssten eben leistbar sein, Bauern sollte aber, etwa durch eine Herkunftskennzeichnung, „das Überleben“ gesichert werden. Das stieß wiederum LK-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger sauer auf: „Überleben allein ist zu wenig.“ Bauern müssten in diesen Zeiten auch genug erwirtschaften, um investieren zu können. Seine Vorredner gaben ihm in diesem Punkt übrigens recht. Felbermayr nannte Investitionen als das „wichtigste Vokabel“ für Wirtschaftswachstum. Auch Michaela Kaniber ist überzeugt: „Wenn Betriebe nicht mehr wirtschaftlich sind, gibt es nur eine Konsequenz: die Betriebsaufgabe.“
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