Was bedeutet Ihnen persönlich Weihnachten, jenseits aller Traditionen und offiziellen liturgischen Aufgaben?
Schwarz: Weihnachten ist für mich zuerst ein stilles Staunen darüber, dass Gott nicht fernbleibt. Er kommt nicht als Idee, sondern als Kind – verletzlich, arm, angewiesen auf Menschen. Das berührt mich jedes Jahr neu. Jenseits der liturgischen Form ist Weihnachten für mich die Einladung, mich innerlich klein zu machen, damit Gott Raum findet. Es ist das Fest der Nähe: Gott wird Mensch, damit der Mensch wieder zu Gott finden kann.
Wie erleben Sie die Stimmung in den Gemeinden, wenn sich das Weihnachtsfest nähert?
Ich spüre in vielen Gemeinden eine große Sehnsucht. Sehnsucht nach Licht, nach Frieden, nach einem Neubeginn – und zugleich die Belastung, dass so vieles „fertig werden muss“. Wenn Advent gut gelebt wird, dann wächst eine leise Freude. Wo Menschen beten, warten, teilen, wird die Stimmung heller. Die Gemeinde wird dann selbst zu einer Krippe, die Gott aufnimmt.
Gibt es eine Weihnachtserinnerung aus Ihrer Kindheit, die Sie bis heute begleitet?
Ja. Ich erinnere mich an die einfache, aber tiefe Wärme daheim: der Duft des Christbaums, das gemeinsame Gebet vor dem Essen und vor allem die Erfahrung, dass an diesem Abend etwas „Heiliges“ in der Luft lag. Nicht pompös, sondern geborgen. Dieses Gefühl, dass das Wesentliche nicht laut ist, begleitet mich bis heute.
Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht zuerst über sich selbst nachdenkt, sondern Raum für Christus und die Menschen schafft.
Bischof Alois Schwarz
Welche Botschaft von Weihnachten halten Sie gerade in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten für besonders wichtig?
Dass Gott uns nicht aufgibt. Weihnachten sagt: Du bist nicht allein in dieser Welt, auch wenn sie dunkel erscheint. Gott steigt in unsere Wirklichkeit hinab – in Armut, Flucht, Angst, Unfrieden – und bleibt dort. Die Krippe ist Gottes Antwort auf die Härte der Welt: Nicht Macht, sondern Liebe, nicht Distanz, sondern Mitgehen. Gerade jetzt ist diese Botschaft revolutionär.
Wie können Menschen, die sich einsam oder belastet fühlen, in der Weihnachtszeit Trost finden?
Zunächst: Indem sie wissen dürfen, dass ihre Einsamkeit nicht „falsch“ ist. Auch in der Heiligen Nacht gibt es Hirten, die draußen sind, am Rand. Christus wird gerade für sie geboren. Trost kann auch ganz konkret werden: ein Anruf, ein Besuch, eine offene Kirchentür, ein Platz am Tisch einer Familie, ein Gespräch im Pfarrhof. Ich lade ein, sich nicht zu scheuen, Hilfe zu suchen – und zugleich einander zu sehen. Weihnachten beginnt oft mit einem kleinen Schritt zueinander.
Welche Rolle spielt Stille im oft hektischen Vorweihnachtstrubel und wo finden Sie selbst diese Stille?
Ohne Stille gibt es kein Weihnachten, weil Gott in der Stille spricht. Der Lärm der Welt übertönt leicht das leise Kommen Christi.
Wie hat sich Ihre eigene Sicht auf Weihnachten im Laufe der Jahre als Priester und Bischof verändert?
Als junger Priester habe ich Weihnachten vor allem als Fest der Freude erlebt und als Aufgabe, alles gut zu gestalten. Als Bischof sehe ich Weihnachten stärker als Auftrag: Christus in die konkreten Lebenswelten der Menschen zu tragen. Besonders zu jenen, die wenig Glanz erleben.
Was wünschen Sie sich für die Kirche in Österreich zum heurigen Weihnachtsfest?
Ich wünsche mir eine Kirche, die nicht zuerst über sich selbst nachdenkt, sondern Raum für Christus und die Menschen schafft. Ich wünsche mir Mut zur Hoffnung und Mut zur Barmherzigkeit. Und dass wir wieder neu entdecken: Unsere Stärke liegt nicht in Strukturen, sondern in der Gegenwart des lebendigen Gottes unter uns.
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