Feldarbeit

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Sommergetreide: Geeignete Sorten für 2026

Auch heuer liefert die Sortenwertprüfung der Ages wieder wertvolle Empfehlungen für den Frühjahrsanbau von Brau- und Futtergerste, Hafer, Weizen sowie Durum.

Gerade in Zeiten, in denen die Nachhaltigkeit der Produktion immer bedeutender wird, stellt Sommergetreide ein wertvolles Fruchtfolgeglied dar. So hilft der abwechselnde Anbau von Sommer- und Wintergetreide – aufgrund der erweiterten Pflanzenschutzmittelverfügbarkeit –, Resistenzbildungen vorzubeugen. In der vergangenen Saison konnten wegen der gut verteilten Niederschläge meist zufriedenstellende Erträge erzielt werden. Neben den unbeeinflussbaren Faktoren sind unter anderem ein optimal vorbereitetes Saatbeet, ein möglichst früher Saatzeitpunkt, eine, im Vergleich zum Wintergetreide, höhere Saatstärke und die Auswahl der passenden Sorte für den eigenen Standort von Bedeutung.

Nach der Ausweitung der Anbauflächen von Sommergerste im vorletzten Jahr, wurden 2025 in etwa im gleichen Flächenausmaß Felder bestellt. Allerdings verschoben sich, aufgrund der besseren Witterung als im Jahr davor, 3.000 Hektar vom Frühjahrsanbau in den Herbst. Trotz guter Anbaubedingungen für Winterungen können spät räumende Kulturen ein Grund sein, sich für einen Sommergetreideanbau zu entscheiden.

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Anbauzeitpunkt

Das optimale Ausnützen der Vegetationsperiode ist bei Sommergetreide entscheidend, um die größtmöglichen Erträge zu erzielen. Daher spielt der Anbauzeitpunkt eine noch bedeutendere Rolle als bei manch anderer Ackerkultur. Es empfiehlt sich, einen möglichst frühen Aussaattermin zu wählen, um einen langen Zeitraum bis zur Ernte auszunützen. Im östlichen Flachland ist ein Saattermin ab Ende Februar anzustreben. In Regionen mit späten Frostnächten empfiehlt es sich, einen Anbauzeitpunkt Ende März anzuvisieren. In allen Fällen gilt es auf die geeignete Bodenfeuchte zu achten. Bei später Saat oder einem ungenügend bereiteten Saatbeet ist es ratsam, die Saatstärke zu erhöhen. Dadurch kann es jedoch, je nach Sortenanfälligkeit, leichter zu Lager kommen, wenn auch eine starke Bestockung und eine gute Nährstoffversorgung vorliegen.

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Sonderfall Braugerste

Neben den bewährten Anbauvarianten, dem Herbstanbau von Winterbraugerste und dem klassischen Frühjahrsanbau, hat sich die Aussaat von Sommerbraugerste zum Herbsttermin mittlerweile ebenfalls etabliert. Trotz der immer milder werdenden Winter können, verursacht durch länger anhaltende, sehr kalte Wetterphasen, Auswinterungsschäden auftreten. Amidala, Avus, Edelmira und Skyway wurden 2024 in mittlerem Maße betroffen. Die beste Widerstandskraft gegen Frost zeigte Leandra. Die Witterung Anfang Jänner könnte in bestimmten Regionen abermals Schäden verursachen. Oft können sich die Bestände auch wieder erholen und mit etwas geringeren Erträgen geerntet werden. Ein Umbruch der betroffenen Flächen sollte daher nicht zu früh erfolgen.

Für die angestrebte Saatstärke von 280 bis 330 keimfähigen Körnern/m² werden je nach Tausendkorngewicht des Saatguts zirka 120 bis

160 kg/ha benötigt. Bei spätem Anbau oder mangelhaftem Saatbeet ist eine Erhöhung um 50 bis 80 Körner/m² anzuraten.

Hauptbraugersten

Die kurzwüchsige Sorte Amidala (Lager 4) reift bei mittlerer bis guter Strohstabilität spät ab. Während Mehltau gut abgewehrt wird, ist auf einen Befall mit Zwergrost und der Ramularia-Sprenkelkrankheit zu achten. Mit hohem Vollgerstenanteil und einem hohen bis sehr hohen Tausendkorngewicht überzeugt sie im Ertrag sowohl im Trocken- als auch im Feuchtgebiet. Edelmira (Lager 4) wurde 2025 in Großbrauversuchen auf ihre Malzeignung getestet. Bei kurzem Wuchs reift sie mittelfrüh. Rhynchosporium-Blattflecken infizieren kaum, Zwergrost und die Ramularia-Sprenkelkrankheit können stark schädigen. Bei hohem Vollgerstenanteil und ebensolchem Kornertrag im Feuchtgebiet ist die Ertragsleistung im Trockengebiet etwas geringer. Aufgrund der Ergebnisse aus den Kleinmalzanalysen und den großtechnologischen Versuchen entschied am 14.1.2026 das Braugerstenkomitee, Edelmira in die Praxis zu entlassen.

Leandra (Lager 4) erreicht sowohl im Trocken- als auch im Feuchtgebiet mittelhohe Erträge. Bei kurzem Wuchs und geringer Neigung für Ährenknicken reift sie mittelspät ab. Trotz der hohen Anfälligkeit für die Ramularia-Sprenkelkrankheit ist sie im Vergleich zu den anderen Braugersten sehr blattgesund. Spät reift die Sorte Skyway (Lager 6) bei mittlerer Neigung zu Halmknicken. Während die Anfälligkeit für Netzflecken auf mittlerem Niveau liegt, kann die Ramularia-Sprenkelkrankheit etwas häufiger auftreten. Auch Zwergrost kann Probleme verursachen. Bei hohen Erträgen im Trocken- und Feuchtgebiet erreicht sie hohe bis sehr hohe Werte sowohl im Marktwaren- als auch im Vollgerstenanteil. Eine schon lange bewährte Sorte ist Avus (Lager 4). Während die Anfälligkeit für die Ramularia-Sprenkelkrankheit hoch bis sehr hoch ist, schädigen Netzflecken und Rhynchosporium weniger. Durch den hohen bis sehr hohen Vollgerstenanteil bei ausreichend geringem Proteingehalt bleibt sie auch weiterhin eine gute Option.

Sonstige Gersten

Bei mittlerer Reifezeit beginnt die als Futtergerste vermarktete Tasja (Lager 4) früh mit dem Ährenschieben. Ramularia-Sprenkelkrankheit und Zwergrost können stark schädigen. Während Ährenknicken nur in geringem Umfang auftritt, kann es bei später Ernte zu Halmknicken kommen. Sowohl im Feucht- als auch im Trockengebiet wurden hohe Erträge erreicht. Escalena (Lager 3) wird als Futtergerste vermarktet, beginnt früh mit dem Ährenschieben und ist sehr halmstabil. Stark schädigen kann die Ramularia-Sprenkelkrankheit. Bei mittelhohem Kornertrag im Feuchtgebiet wird ein ebensolcher Proteingehalt, bei gleichzeitig geringem Rohfasergehalt, erreicht, was zu einem hohen energetischen Futterwert führt. Ähnlich gering ist der Rohfasergehalt der Sorte Elfriede (Lager 5), die nur gering von Netzflecken und Rhynchosporium geschädigt wird. Bei später Reifezeit kann es zu mittelstarkem Halmknicken kommen, während Ährenknicken nur selten auftritt. Die Kornerträge sind mittelhoch bei mittlerem Hektolitergewicht und Rohproteingehalt. Regency (Lager 5) verfügt über einen hohen Vollgerstenanteil, wird aber hauptsächlich als Futtergerste verwendet. Sie reift spät ab und ist, ausgenommen Ramularia-Sprenkelkrankheit, mittel blattgesund. Die Futtergerste Elena (Lager 6) ist bei mittlerer Wuchshöhe strohstabil. Bis auf Zwergrost werden Blattkrankheiten gut abgewehrt. Es wurden mittlere Erträge erreicht. Ein mittelhoher Rohproteingehalt wird mit einem niedrigen Rohfasergehalt kombiniert.

Sommerhafer

Hafer stellt nur geringe Ansprüche ans Saatbeet und kann wegen seines ausgeprägten Wurzelsystems gut Nährstoffe mobiliseren. Die anpassungsfähige Getreideart profitiert von großzügigen Wasserreserven, weshalb der Anbau in niederschlagsreicheren Regionen Ertragssicherheit bringt. Um zufriedenstellende Erträge zu erzielen und Lager zu vermeiden, dürfen die Bestände nicht zu dicht sein. Für die Aussaat empfiehlt sich daher je nach Zeitpunkt und Region, 300 bis 450 keimfähige Körner/m² bzw. 100 bis 180 kg/ha anzubauen.

Platin kombiniert ein hohes Ertragspotenzial mit einer dem Sortenmittel entsprechenden Reife. Die Standfestigkeit ist positiv ausgeprägt (Note 4), das Hektolitergewicht mittelhoch. Waran ist bei hohem Wuchs standfest (Note 4) und verfügt über stabile Halme. Die hohen bis sehr hohen Erträge sind mit einem mittleren Hektolitergewicht gepaart. Elron ist standfest (Note 4) und neigt nur wenig zum Halmknicken. Aufgrund der hohen bis sehr hohen Auswuchsneigung muss bei niederschlagsreicher Witterung auf eine rechtzeitige Ernte geachtet werden. Mehltau infiziert kaum, das Hektolitergewicht ist unterdurchschnittlich. Der langwüchsige Enjoy (Lager 5) kann Mehltauinfektionen meist abwehren und eignet sich daher auch für den Anbau in Staulagen. Kronenrost kann dagegen stark schädigen. Max (Lager 5) reift mittel und ist auswuchssicher. Bei hohem Hektolitergewicht sind Rohprotein- und Rohfasergehalt positiv ausgeprägt, was zu einem guten energetischen Futterwert führt. Die Anfälligkeit für Kronenrost ist vergleichsweise geringer. Earl sticht mit seiner frühen Reife hervor. Bei langem Wuchs ist die Standfestigkeit mittel (Note 5). Mehltau und Kronenrost können mittelstark infizieren. Das Hektolitergewicht ist hoch und der Rohproteingehalt mittel bis hoch.

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Sommerweichweizen

Auch beim Sommerweizen ist es wichtig, einen möglichst frühen Anbautermin zu wählen. Ist dies etwa aufgrund eines zu feuchten Bodens nicht möglich und die Aussaat erfolgt erst später, empfiehlt sich eine Erhöhung der Saatstärke um 50 bis 100 Körner/m².

Elaya (Lager 4) ist bei durchschnittlicher Wuchshöhe kaum anfällig für Mehltau, Braunrost und Gelbrost. Ährenfusarium kann mittelhoch schädigen.

Bei hoher Stickstoffeffizienz erreichte der Qualitätsweizen hohe bis sehr hohe Erträge. Der Rohproteingehalt ist mittel und das Hektolitergewicht etwas unterdurchschnittlich. Der Qualitätsweizen Liskamm (Lager 3) reift bei mittelhohem Wuchs mittelfrüh. Braunrost und Ährenfusarium schädigen nur gering, auf Gelbrost sollten die Bestände allerdings kontrolliert werden. Auch bei späten Ernteterminen ist er gegen Auswuchs sehr widerstandsfest. Im Trockengebiet ist der Kornertrag mittel, während er im Feuchtgebiet etwas darunter liegt. Bei hohem Hektolitergewicht wird ein hoher bis sehr hoher Rohproteingehalt erreicht. Der Mahlweizen Everlong (Lager 4) besitzt ebenfalls eine ausgeprägte Blattgesundheit. Für Ährenfusarium und Auswuchs ist er gering anfällig. Bei mittlerem Proteingehalt und ebensolchem Hektolitergewicht wurden mittelhohe Erträge im Feuchtgebiet erreicht. Mit dem Mahlweizen KWS Carusum (Lager 3) steht eine, bei mittlerer Reifezeit, blattgesunde Sorte zur Verfügung. Die Anfälligkeit für Roste und auch Mehltau ist gering. Das hohe bis sehr hohe Ertragsniveau ist mit einer guten N-Effizienz kombiniert. Bei mittelhohem Rohproteingehalt wird ein hohes bis sehr hohes Hektolitergewicht erreicht. Telimena (Lager 3) ist ebenfalls eher für feuchtere Lagen geeignet. Bei mittlerer Reifezeit ist er durchschnittlich anfällig für Gelbrost. Die übrigen Blattkrankheiten werden etwas besser abgewehrt. Das niedrige Hektolitergewicht kombiniert er mit einem mittelhohen Rohproteingehalt und durchschnittlichen Kornerträgen.

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Sommerdurum

Die wichtigsten Qualitätseigenschaften von Durum sind ein entsprechend hoher Proteingehalt und eine möglichst hohe Ganzglasigkeit. Eine zeitgerechte Ernte bei niederschlagsreicher Wetterlage ist ebenfalls notwendig. Durch die, im Vergleich zu Weizen, höhere Anfälligkeit für Mehltau und Ährenfusarium sollten bei Infektionsgefahr Fungizidbehandlungen eingeplant werden. Anzustreben ist ein Bestand zur Ernte von 450 bis 550 Ähren pro m², somit liegt normalerweise die Saatstärke im Bereich von 350 bis 380 keimfähigen Körnern je m². Sollte ein Anbau erst Anfang April möglich sein, sollte die Saatstärke auf bis zu 450 Körner je m² erhöht werden.

Der 2024 zugelassene Pandiodur (Lager 4) ist kurzwüchsig bei mittelfrüher Reife. Für Braun- und Gelbrost ist er mittel anfällig. Bei dem höchsten Ertragspotenzial des Sortiments erreicht er mittelhohe Rohproteingehalte sowie hohe Hektolitergewichte und Fallzahlen. Videodur (Lager 5) ist kurzwüchsig und gering anfällig für Rostkrankheiten. Das Risiko für DTR-Blattdürre ist mittelhoch, damit jedoch besser als bei den anderen Sorten im Sortiment. Hohe Qualitätswerte in den Bereichen Rohprotein, Hektolitergewicht, Fallzahl und Glasigkeit werden mit hohen Kornerträgen kombiniert. Durolux (Lager 6) wurde 2024 zugelassen und ist ebenfalls ertragsstark. Bei den Qualitätsmerkmalen sticht der sehr hohe Glutenindex hervor, welcher mit hohen Werten beim Rohproteingehalt und Hektolitergewicht einhergeht. Floradur (Lager 6) ist eine seit 2003 bewährte Sorte. Besonders einer Infektion mit Mehltau sollte bei entsprechender Witterung hohes Augenmerk geschenkt werden. Rostkrankheiten werden besser abgewehrt. Hektolitergewicht, Fallzahl und Rohproteingehalt sind günstig ausgeprägt. Der für Gelbrost mittelhoch anfällige Riccodur (Lager 5) kombiniert ein frühes Ährenschieben mit einer mittelfrühen Reife. Bei mittlerem Kornertrag erreicht er hohe Werte bei den Qualitätsparametern mit Ausnahme der Glasigkeit. Durofinus (Lager 3) wehrt Rostkrankheiten gut ab, die DTR-Blattdürre kann jedoch stärker schädigen. Etwas unterdurchschnittlich ist der Kornertrag bei mittelhohem Hektolitergewicht und hohen Rohproteingehalten. Da er stärker als die meisten anderen Sorten zu Auswuchs neigt, ist eine zügige Ernte bei wechselhaftem Wetter angeraten.

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Neuzulassungen

Im vergangenen Dezember wurden einige neue Sommergetreidesorten zugelassen. Die Braugerste Gitta (Lager 4) kombiniert ein hohes bis sehr hohes Ertragspotenzial mit einem hohen Vollgerstenanteil. Die Anfälligkeit für Blattkrankheiten ist mittel bis hoch. Die spät reifende Braugerste Ehubia (Lager 4) wird von Netzflecken und Rhynchosporium-Blattflecken nur wenig infiziert. Zwergrost und die Ramularia-Sprenkelkrankheit können mittelstark schädigen. Fontane (Lager 4) erreicht in allen Produktionsgebieten sehr hohe Erträge. Der hohe Vollgerstenanteil wird mit einem niedrigen bis mittleren Rohproteingehalt kombiniert. Der Gelbhafer Zenith (Lager 7) reift mittel ab und wächst hoch. Bei hohem bis sehr hohem Kornertrag verfügt er über einen geringen Rohproteingehalt. Placidur (Lager 6) ist tolerant gegenüber Rostkrankheiten, die Anfälligkeit für Mehltau ist mittel. Während die Glasigkeit mittel ausgeprägt ist, ist der Gelbpigmenthalt sehr hoch. Da sich die Saatgutvermehrung noch im Aufbau befindet, ist zum Frühjahrsanbau 2026 noch kein Saatgut der oben genannten Sorten verfügbar.

Sommergetreide für Biobetriebe

Saatgut aus biologischer Produktion gibt es bei Sommergerste von den Braugersten Amidala, Avus und Edelmira sowie von den Futtergersten Elena und Tasja. Die Sommerhafer Earl, Max und Platin sowie die EU-Sorte Perun stehen für biologisch wirtschaftende Betriebe zur Verfügung. Die Erhaltungssorte Ebners Nackthafer steht ebenfalls bereit. Sommerweichweizen wird vom gewöhnlichen Steinbrand im Vergleich zur Winterform weniger stark infiziert und ist somit vorteilhaft für die biologische Landwirtschaft. Saatgut steht vom Mahlweizen KWS Carusum und dem Qualitätsweizen Liskamm bereit. Weiters wird die EU-Sorte KWS Expectum angeboten. Floradur und Riccodur stehen als Sommerdurum für die biologische Produktion bereit. Die aktuelle Verfügbarkeit von Biosaatgut kann online in der Biosaatgut-Datenbank der Ages abgefragt werden.