Hackroboter auf einem Zwiebelfeld

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Boden-Wasser-Schutz: Mit digitalen Lösungen den Umweltschutz verbessern

Boden schonen und Gewässer schützen: Dabei können neue Technologien und künstliche Intelligenz helfen. Der Zug der Digitalisierung rauscht bereits dahin.

Für den Boden- und Gewässerschutz ist das Thema Digitalisierung vor allem als Chance zu sehen, darin sind sich Experten einig. So widmete sich auch die jüngste „Boden-Wasser-Schutz-Tagung“, die einmal jährlich in St. Florian stattfindet, diesem Thema.

Dünger effizient nutzen – wenn der Rahmen passt

Ein Thema, das alle Bauern betrifft, ist Düngeeffizienz. Stefan Geyer von der HBLFA Francisco Josephinum in Wieselburg (NÖ) berichtete über verschiedene Versuche. Computerprogramme wie „TerraZo“ helfen dabei, Stickstoffdünger mit GPS-Unterstützung an das Wachstum der Pflanzen angepasst auszubringen. Ehe über Düngeeffizienz gesprochen werden könne, müssen aber die Rahmenbedingungen stimmen und sämtliche produktionstechnischen Maßnahmen optimiert sein. Bei Wirtschaftsdünger zeigte sich, dass bodennahe Ausbringung deutlich effizienter ist als Breitverteilung. Wirtschaftsdünger sei zwar eine „Blackbox“ mit teilweise sehr stark schwankender Trockenmasse und Nährstoffgehalt, aber insgesamt hochwirksam.

Olivia Spykman vom Institut für Landtechnik an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) referierte über Pflanzenbausysteme der Zukunft. Sie gab Einblick in das Feldlabor in Ruhstorf (D), wo seit drei Jahren ein Versuch mit Zwischenfrüchten im Streifenanbau im Laufen ist und mit der Kombination von Biodiversität, Bodenschutz und digitalen Werkzeugen experimentiert wird.

Andreas Heinzl und Markus Schwaiger vom Maschinenring OÖ stellten das Projekt „Präzise wirtschaften, Gewässer entlasten“ vor. Dabei wurden bei 105 Betrieben gemeinsam mit dem Landwirt die Flächen vor Ort begutachtet, Optimierungspotentiale ermittelt und in der Folge alle Daten für das Precision Farming vorbereitet. Das Resümee der beiden: Moderne Technik könne kein Fachwissen ersetzen, aber wesentlich unterstützen. Der Wille zum Boden- und Gewässerschutz sei vorhanden, ebenso die Technik. Für eine optimierte Nutzung brauche es aber Hilfestellung, weshalb individuelle Beratung nötig sei und gerne angenommen werde.

Aufspringen! Der Zug fährt immer schneller.

Gregor Witzmann

Gründer "Farm-ING"

Rahmenbedingungen wandeln sich rasant

Über den aktuellen Stand von Automatisierung und Robotik in Oberösterreich bzw. Österreich berichtete Gregor Witzmann, Gründer des Unternehmens „Farm-ING“. Er verwies auf die sich rasant wandelnden Rahmenbedingungen für die Produktion von Lebensmitteln.

So werden bis 2050 für eine Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen etwa 56 Prozent mehr Lebensmittel benötigt, obwohl sich die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft von 2018 bis 2023 um 30 % reduziert haben. Dazu kommen ein Pestizideinsatz von minus 50 % bis 2030 und enorme klimatische Herausforderungen. „Innovation braucht es jetzt“, so Witzmann. Sein Unternehmen sei dabei, „künstliche Intelligenz noch auf die Automatisierung draufzusetzen“, so Witzmann. So könne bei einer Hackgerätspurführung mit KI der Landwirt mit Bildern am Display diese selbst etwa für spezielle Kulturen nachtrainieren. Die Trends im Pflanzenschutz würden zum Spot-Spraying gehen, auch zu elektrischen Verfahren und generell mehr Monitoring (auch Schadpflanzen). Sein Fazit zum Thema Automatisierung: „Aufspringen! Der Zug fährt immer schneller.“ Und: „Vertrauen Sie keinen Social-Media-Videos.“ Die Zukunft liege jedenfalls in praxistauglichen und robusten Robotiklösungen.

Als Digitalisierungsreferent der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, berichtete Fabian Poinstingl, wie durch Digitalisierung der Bereich Bildung und Beratung verbessert werden konnte. So hilft etwa eine 3D-Bestandsaufnahme bei Altbeständen in der Bauberatung oder eine Höhenmessung per Drohne beim Erarbeiten einen Waldwirtschaftsplans. Neu ist die Beratung vor einem Umbruch beim Pflanzenbau, wo etwa eine Software zum Pflanzenzählen eingesetzt wird und ebenso eine Grundberatung zur Digitalisierung im Allgemeinen, wo es auch um die ID Austria oder das Heimnetzwerk gehen kann.

Praktiker Ewald Mayr: Wissen über Zahlen

Aus der Sicht eines Praktikers berichtete Ewald Mayr, Obmann des Verbandes der Obst- und Gemüseproduzenten, über Digitalisierung im Ackerbau. Diese habe aus seiner Sicht bereits mit den „Schlagaufzeichnungen“ begonnen. Mayr sei damals bereits überzeugt gewesen, dass dies „keine Bürde, sondern eine Grundlage für alles, was darauf aufbaut“ sei. Wichtig sei jedenfalls, seine Zahlen zu kennen, da Robotik auch ein „Deckungsbeitrags-Fresser“ sei könne. Dank Präzisionslandwirtschaft könne er alle Pflanzenkulturen herbizidfrei führen.

Aus seiner Sicht sei Automatisierung besonders im Gemüsebau eine zunehmende Notwendigkeit. Vieles sei momentan für kleine Betriebe noch unleistbar, aber über Maschinengemeinschaften möglich. Mayr weiß auch, wohin die Reise gehen wird und nennt Erdbeer-Pflückroboter und Drohnen, die reife Äpfel vom Baum holen.

Zum Nachsehen

Die Nachlese zur Boden-Wasser-Schutz-Tagung 2025 ist unter www.land-oberoesterreich.gv.at/551320.htm online zu finden (Unterlagen und Videomitschnitte der Vorträge).