Maiskolben

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Sortenwahl und Ernte mittels Reifeindex leicht gemacht

Witterungsbedingt extreme Jahre machen es zunehmend schwerer, den richtigen Erntezeitpunkt für Mais zu bestimmen. Eine Lösung bietet der Silomais-Reifeindex.

Das heute gültige Reifesystem mit den nutzungsspezifischen Reifezahlen SRZ für Silo- und KRZ für Körnermais, jeweils basierend auf ihren Trockenmasse-Gehalten (TM-Gehalt), kann keine exakte Antwort zum richtigen sowie optimalen Erntezeitpunkt geben. In der Praxis teils drastische Unterschiede zwischen der Abreife von Korn und Restpflanze machen eine Abschätzung der zweidimensionalen, dynamischen Reifeentwicklung notwendig. Versuche zeigen, dass bereits bei einem TM-Gehalt der photosyntheseaktiven Restpflanze von 24 Prozent nur eine suboptimale Kornreife von 55 Prozent erreicht werden kann. Alle weiteren Konstellationen sind folglich ineffizient, einschließlich der Reifebereiche.

Der Reifegrad (TM-Gehalt) des Maisbestandes als Gemisch unbekannter Mengenanteile, Strukturen und Vegetationszustände wird im erntenahen Zeitraum durch dessen Gesundheit, standortbedingte Abreife der Restpflanze und halb so stark durch den Verlauf der Kornreife beeinflusst. Daher ist ein unkontrolliert fortschreitender TM-Gehalt von Mais, besonders bedingt durch eine rasante Restpflanzenabreife, außerordentlich kritisch zu bewerten. In der Folge sinken die Grundfutteraufnahme, dessen Verdaulichkeit und letztlich die Milchleistung, aber auch die Leistungen aller anderen Nutzungsrichtungen. Bei den Sortenprüfungen, wie auch in der Praxis, wird folgedessen Silomais oft zu spät geerntet.

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DRA-System und SRI

Diese asynchron verlaufende Reifeentwicklung im gesamten Maisanbau erforderte einen neuen Ansatz, zum Beispiel durch Schaffung des effektiveren Dynamischen Reife- und Analyse (DRA)-Systems mit einem aussagekräftigeren phänologischen Reifeindikator, dem Silomais-Reifeindex (SRI), der die zweidimensionale Reifeentwicklung der Maissorte eindimensional beschreiben kann. Der SRI ist die TM-Verhältniszahl von generativer zu vegetativer Pflanzenfraktion einer Maissorte aller Nutzungen, die unter anderem die ökophysiologische Entwicklung im erntenahen Zeitraum und ihre Auswirkungen bei der Fütterung, Biogas- und Körnermaisproduktion nachweisen kann.

Die umseitige Tabelle (S. 20) zeigt, dass der allgemein empfohlene, optimale TM-Bereich von 30 bis 35 Prozent im Vergleich der beiden Reifesysteme nicht nachvollzogen werden. Bei keiner Ertrags- oder Qualitätskennziffer liegt das Maximum im empfohlenen optimalen Reifebereich nach dem TM-Gehalt der Gesamtpflanze. Ausnahmslos bewegen sich die maximalen Werte oberhalb des optimalen Reifebereichs. Beweis dafür ist, dass die TM-Empfehlungen ignoriert und Mais später bei höheren Erträgen und Qualitäten geerntet wird. Der richtige Erntezeitpunkt lässt sich so nicht fixieren.

Der Vergleich mit dem Dynamischen Reife- und Analyse (DRA)-System und dem derzeit gültigen Reifesystem weist einen Unterschied im Energieertrag von 3,5 Gigajoule Netto-Energie-Laktation (GJ NEL) oder 356 Kubikmeter bei der Methangasproduktion je Hektar aus. Ein Milchviehbestand mit einer Jahresmilchmenge von 8.000 Kilogramm je Kuh würde mit dieser Energie 700 Kilogramm Milch je Hektar reifesystembedingt mehr produzieren. Der diesbezügliche Mehrertrag an Methan entspricht einem Heizöläquivalent von 356 Liter je Hektar.

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Wann wird gehäckselt?

Bei maximalem Reife (TM)–Verhältnis von generativer zu vegetativer Pflanzenfraktion der Maissorte, gemessen am Korn und der Restpflanze, ist der richtige Erntezeitpunkt für alle Nutzungsrichtungen unwiderruflich erreicht. Das Verhältnis wird dann mit dem Silomais-Reifeindex (SRI) dokumentiert (siehe Grafik). Bei Silo- und Energiemais stellt sich dann die Frage: In welcher Reihenfolge sind die Maissorten zu ernten? Die Antwort: Sobald das Reifeverhältnis stagniert, ist die maximale ökophysiologische Leistungsfähigkeit der Sorte unwiderruflich erreicht. Dieser Zeitpunkt kann jedoch im sub- bzw. im optimalen Reifebereich (SRI von 2,6 und darüber) liegen. Beim Körnermais ist ebenfalls die maximale ökophysiologische Entwicklung abgeschlossen. Auf physikalischem Weg wird dann weiter im stehenden Bestand Restwasser abgegeben, solange es die Witterung zulässt.

Nur wenn der Bauer den optimalen Reifepunkt erwischt, kann er die gewünschten Gebrauchswerteigenschaften bei der Ernte erreichen, die der Züchter vormals deklariert hat. Bei einem SRI von 2,6 beginnt der optimale Reifebereich für fast alle Nutzungen. Der Reifereferenzpunkt ist bei einem SRI von 2,8 (63 % TM im Korn zu 22,5 % TM der vitalen Restpflanze) erreicht, der dauerhaft angestrebt werden sollte. Die Maissorten erweisen sich dann als umwelt- und reifestabil sowie standortgeeignet, verbunden mit hoher Leistung, Gesundheit, Strukturwirksamkeit und Verdaulichkeit. Der Referenzreifepunkt darf auch überschritten werden, um eine maximale Grundfutteraufnahme zu erreichen.

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Smarte Unterstützung

Neben der erweiterten Reifeanalyse bei Sortenprüfungen lassen sich die Erkenntnisse auch am smarten Feldhäcksler bei gleichzeitiger Nutzung der G/S-Reifemethode konsequent umsetzen, wenn er mit einem NIRS-Sensor am Auswurfkrümmer zur Messung des TM-Gehalts und dessen Stärkegehalts versehen ist (siehe Tabelle S. 19). Mit Kenntnis der Kornreife lässt sich der Korncracker situationsbezogen autonom, assistenzbasiert ansteuern, während mit dem Ergebnis der Alterung der Restpflanze die Häcksellänge automatisch reguliert werden kann. Dieses DRA-Assistenzsystem ist nicht nur eine Entlastung des Häckslerfahrers, sondern eine Grundvoraussetzung für autonom arbeitende Erntemaschinen in der Zukunft.

Hilfe bei der Sortenwahl

Das DRA-System findet seinen Abschluss mit der standortgerechteren und nutzungsspezifischen Sortenwahl. Das zeigt sich auch bei erweiterter Auswertung der Ergebnisse der Sortenprüfung. Generell wird sichtbar, dass Mais meist nicht optimal, sondern zu spät geerntet wird. Dementsprechend sind das Ertrags- und Qualitätsniveau unbefriedigend. Die erweiterte Reifeanalyse belegt des Weiteren, dass sowohl die Zielwerte der Körnerreife (ca. 63 % TM) als auch die der Abreife der Restpflanze (< 23 % TM) außerhalb des Optimums lagen.

Der Silomais-Reifeindex ermöglicht neben der Darstellung des ökophysiologischen Reifezustandes und des reifespezifischen Sortentyps (etwa stay green) eine exakte Rangbildung der Standorteignung der Sorten. Dies ermöglicht die volle Konzentration auf wenige Spitzensorten, die sowohl den ökonomischen als auch ökologischen Anforderungen des regionalen Maisanbaus, auch unter den sozialen Gesichtspunkten eines konstanten Einkommens der Bauern und der Akzeptanz eines erweiterten Maisanbaus, genügen können.