Zwei Bauern schneiden eine Fichte um

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Im Bauernwald lauern oft große Gefahren

Alarmierende Unfallzahlen machen deutlich, warum Ausbildung, Vorbereitung und Schutz- maßnahmen im Wald (über)lebenswichtig sind.

Die Arbeit im Wald ist körperlich fordernd – und sie zählt nach wie vor zu den gefährlichsten Tätigkeiten im bäuerlichen Bereich. Das zeigen einmal mehr die Zahlen der Unfallstatistik. 2024 wurden österreichweit 684 Unfälle bei der Waldarbeit registriert, 43 davon endeten tödlich. Oberösterreich ist nach der Steiermark am stärksten davon betroffen – hier gab es 164 Unfälle, fünf Menschen verloren ihr Leben. „Eine traurige und alarmierende Bilanz, der es entgegenzuwirken gilt“, betonte Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger.

Aktuelle Zahlen für 2025 liegen zwar noch nicht vor, doch auch in den vergangenen Wochen und Monaten kam es zu zahlreichen schweren Forstunfällen. Betroffen sind Menschen aller Altersgruppen, auffällig ist jedoch der hohe An-

teil älterer Verunfallter. SVS-Obmann Peter Lehner sieht hier einen zentralen Risikofaktor: "Hochbetagte Menschen verlassen sich auf ihre Erfahrungen von früher, haben jedoch im Alter eine veränderte Fitness.“ Besonders gefährlich sei das alleinige Arbeiten im Wald, da im Ernstfall die Rettungskette oft nicht funktioniere.

Mehr Unfälle bei privater Waldarbeit

Ein wesentlicher Unterschied zeige sich auch zwischen privater und beruflicher Waldarbeit. Private Waldarbeiter sind deutlich häufiger in Motorsägenunfälle verwickelt als professionell ausgebildete Forstarbeiter. Gerade bei gefährlichen Tätigkeiten könne es daher sinnvoll sein, Arbeiten an professionelle Forstdienstleister auszulagern.

Viele Unfälle passieren, weil Gefahren unterschätzt oder Situationen falsch eingeschätzt werden. „Routine, Zeitdruck oder Unachtsamkeit erhöhen das Risiko erheblich“, so Langer-Weninger. Auch mangelnde Kenntnisse im Umgang mit der Motorsäge sowie falsche Fäll- und Schneidetechniken zählen zu den häufigsten Ursachen schwerer Verletzungen.

Dass gefährliche Situationen entstehen, liegt oft auch an mangelndem Fachwissen – noch häufiger aber daran, dass für Vorbereitung und Sicherheitsmaßnahmen zu wenig

Zeit eingeplant wird. Besonders kritisch ist die Baumfällung. „Die Fällung ist die gefährlichste Tätigkeit. Hierbei passieren knapp zwei Drittel der schwersten Unfälle“, erklärte Florian Hader, Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte (FAST) Traunkirchen.

Die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) setzt verstärkt auf Prävention und investiert jährlich 13 Millionen Euro in die Sicherheit ihrer Versicherten. Mit dem „Sicher­heitshunderter“ gibt es einen 100-Euro-Bonus für Maßnahmen zur Unfallprävention – vom Besuch von Forst- und Motorsägenkursen bis hin zum Ankauf persönlicher Schutzausrüstung wie Helm oder Schnitthose. Dieser Bonus werde im bäuerlichen Bereich besonders gut genutzt, so Lehner.

Auch die Landwirtschaftskammer Oberösterreich engagiert sich seit Jahren intensiv in der Aus- und Weiterbildung. „Jeder Unfall im Wald ist einer zu viel. Mit Wissen, Übung und der richtigen Vorbereitung können viele Gefahrensituationen entschärft oder ganz vermieden werden“, unterstrich LKOÖ-Vizepräsidentin Rosemarie Ferstl.

Veranstaltungsreihe: „Sicher bei der Waldarbeit“

Mit der Veranstaltungsreihe „Sicher bei der Waldarbeit“, die an sechs Terminen (siehe Infokasten links) in Oberösterreich stattfindet, sollen Praxiswissen und Sicherheitsbewusstsein weiter gestärkt werden. Fachleute informieren über Unfallverhütung, das Erkennen von Risikobäumen und sicheres Fällen – ein wichtiger Beitrag, um die düstere Unfallbilanz künftig zu verbessern. Unter allen Teilnehmern werden 120 Schutzhelme verlost.

Termine:

• Mo., 19. Jänner, 19 Uhr, ABZ Hagenberg

• Mo., 26. Jänner, 19 Uhr, LWBFS Vöcklabruck

• Mi., 28. Jänner, 19 Uhr, LWBFS Burgkirchen

• Mo., 2. Februar, 19 Uhr, Bioschule Schlägl

• Do., 5. Februar, 19 Uhr, LWBFS Schlierbach

• Mo., 9. Februar, 19 Uhr, LWBFS Otterbach

Häufige Unfall-Ursachen

• Unzureichende Arbeitsvorbereitung und fehlende Planung

• Unterschätzung von Gefahren durch Routine und Gewöhnung

• Konzentrationsverlust bei körperlich schwerer und langer Arbeit

• Zeitdruck sowie Arbeiten bei ungünstigen Witterungsbedingungen

• Fehlende oder unzureichende Ausbildung im Umgang mit der Motorsäge

• Arbeiten ohne oder mit unvollständiger persönlicher Schutzausrüstung

• Alleinarbeit in abgelegenen Waldgebieten

• Falsche Schnittführung bei verspannten Stämmen und Schadholz