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Wald mit Zukunft: Vom Klimapatienten zum Erfolgsanwärter

Die Veränderung unserer Wälder lässt sich heute nicht mehr ausblenden. Trotzdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten in der Waldbewirtschaftung, auch in der Wahl der Baumarten. Eine Option besteht jedoch nicht: das Abwarten.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Temperaturen um rund zwei Grad Celsius gegenüber dem langjährigen Mittel von 1961 bis 1990 gestiegen. Zufälle sehen anders aus. Bis 2100 werden ohne Anpassung plus vier bis fünf Grad erwartet. Dadurch verschieben sich die Waldstufen um 500 bis 700 Meter nach oben. Einige Baumarten, allen voran die Fichte, lassen sich dann nur noch in höheren Lagen Oberösterreichs erfolgversprechend bewirtschaften. Bei langen Produktionszeiträumen im Wald können Entscheidungen nicht einfach verschoben werden. Abwarten reduziert die Handlungsoptionen. 

Weltweit beschäftigt sich die Forschung intensiv mit der Frage nach geeigneten Baumarten und Herkünften für die Zukunft. Es werden Versuchsflächen angelegt, um Erfahrungen zu sammeln. Unvorhersagbar ist, welche Schaderreger die Wälder in Zukunft beeinflussen werden. In den vergangenen Jahren wurde immer deutlicher, dass bei jeder Baumart – auch bei den bekannten heimischen Arten – ein Restrisiko bleibt. 

„Wer streut, rutscht nicht“

Zur Absicherung der Bemühungen und Investitionen bleibt den Waldbewirtschaftern da-her nur eines übrig: das Risiko durch Mischung mit vielen Baumarten zu begrenzen. An der Börse heißt es: „Wer streut, rutscht nicht.“ Und das gilt auch für den Wald mit seiner langen Umtriebszeit. Die Klimaanpassung eines Waldes ist unabhängig von seinem Alter möglich. Besonders wirkungsvoll ist sie jedoch in Verjüngungen und in Jungbeständen durch das Einbringen von Mischbaumarten, eine gezielte Stammzahlreduktion und die Förderung der Vielfalt.

Seltene Baumarten gezielt einbringen

Die Artikelserie hat gezeigt, dass es viele Baumarten gibt, die sich für die zukünftige Waldbewirtschaftung eignen. Dort sind robuste Arten aus wärmeren Regionen erforderlich. Zu einigen dieser Arten ist das Wissen über die Standortswahl und Bewirtschaftung noch gering. Wenn sich Naturverjüngung entwickelt, aber weniger als drei zukunftsfitte Baumarten darunter sind, sollte sie ergänzt werden. Bei selte­nen Baumarten und jenen, bei denen es nur wenig Erfahrung gibt, ist es auch aus Kostengründen sinnvoll, sie in kleineren Trupps mit bis zu 16 Bäumchen einzubringen. Der Abstand zwischen den Trupps soll bei Nadelholz rund acht Meter und bei Laubholz etwa zwölf bis 14 Meter betragen. Dazwischen bleibt Platz für Naturverjüngung. Unter 800 Metern, speziell unter 500 Metern, werden heimische Baumarten oft nicht mehr ausreichen. Dabei ist ein besonderes Augenmerk auf den Wildeinfluss zu legen, denn gerade seltene Baumarten sind meist sehr verbissbeliebt.

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Stabilität durch frühe Freistellung

Unabhängig von der Baumart sind Z-Stämme viel früher als gewohnt zu fördern. Die Kronenlänge der Zukunftsbäume sollte auch in der Jugend nicht unter zwei Drittel ihrer Höhe liegen. Nur so kann das Risiko in der Waldwirtschaft verringert werden. So sehr man sich auch wünschen würde, auch in Zukunft mit der Fichte in tiefen Lagen wirtschaften zu können, wird sie in den allermeisten Fällen schon lange vor Erreichen der Hiebsreife nach Trockenperioden dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Ob die Ernte ungeplant durch Kalamität oder geplant erfolgt, entscheidet letztlich sehr häufig über den Ertrag jahrzehntelanger Bemühungen. Dass die Nutzung dann unter hohen Einbußen erfolgen, haben viele Waldbewirtschaftende nach den vergangenen Wind- und Käferkatastrophen schmerzlich erfahren.

Empfehlungen werden konkreter

Der Klimawandel wird die Wahl der Baumarten grundlegend beeinflussen. Ob wir wollen oder nicht, die heimischen Wälder werden sich verändern. Zusehen und Abwarten ist dabei keine Option. In rund einem Jahr wird es zur Baumartenwahl noch bessere Instrumente geben, die Entscheidungen unterstützen können. Ein Beispiel da-für ist die dynamische Waldtypisierung. Dabei werden Baumartenampeln spezifisch für die jeweiligen Standorte erarbeitet. Auch die Broschüren des Landes Oberösterreich zur Baumartenwahl im Mühlviertel und Alpenvorland werden an die aktuellen Klimaentwicklungen angepasst.

Abschließend bleibt die Kernbotschaft der Serie „Wald mit Zukunft“: Vieles ist im Wandel, doch die wichtigsten Grundlagen in der Waldbewirtschaftung bleiben gleich. Wer – vor allem in der Jugend – eine aktive Pflege betreibt, das untrennbare Zusammenspiel von Baumart und Standort beachtet und auf eine Mischung verschiedener Baumarten setzt, hat heute und auch in Zukunft die besten Erfolgsaussichten im Wald.

Baumartenampel nach Wuchsgebiet und Höhenstufe

Einen ersten Eindruck von der Veränderung der Eignung verschiedener Baumarten vermittelt die Baumartenampel des Bundesforschungszentrums für Wald. Dort werden häufige Baumarten nach ihrer Eignung im jeweiligen Wuchsgebiet und in der jeweiligen Höhenstufe dargestellt. Zu finden ist sie unter www.klimafitterwald.at.

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